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Ilse unterwegs mit dem „Dachgeber“„Im Herbst des vergangenen Jahres brach ich zu einer mehrtägigen Radtour auf. Eigentlich nichts Ungewöhnliches – mehrere solcher Touren mache ich jedes Jahr, und mein Fahrrad begleitet mich auf fast allen Wegen“, erzählt Ilse Pottmann. Das Besondere: Eine Woche lang wollte sie ausschließlich bei Gastgeberinnen und Gastgebern aus dem Verzeichnis des „Dachgeber“ übernachten. Mit Schlafsack im Gepäck und meinem Brompton-Faltrad stieg ich in den Zug nach Mülheim an der Ruhr. Von dort folgte ich dem Ruhrtalradweg bis Herdecke, meiner ersten Station. Da es bereits dämmerte und mein Brompton nur drei Gänge hat, nahm ich für den Anstieg den Bus. Meine Gastgeberin holte mich an der Haltestelle ab, und wir verbrachten einen gemütlichen Abend miteinander. Am nächsten Morgen begleitete sie mich noch ein Stück Richtung Fröndenberg – vorbei am beeindruckenden Ruhr-Viadukt zwischen Herdecke und Hagen-Vorhalle. Eigentlich sollte meine zweite Nacht in Fröndenberg stattfinden, doch ich war bereits um 16 Uhr dort, während meine Gastgeber erst später heimkehrten. So verbrachte ich diese Nacht ausnahmsweise im eigenen Bett. Am nächsten Tag setzte ich die Tour ab Dortmund entlang des Dortmund-Ems-Kanals fort. Im Restaurant M. Kortmann am Schiffshebewerk Henrichenburg in Waltrop – 1899 von Kaiser Wilhelm II. eingeweiht – bekam ich um 14:35 Uhr kein Stück Kuchen. Der wird dort erst ab 15 Uhr serviert. Nun ja, erinnert mich an preußische Tugend. In Lüdinghausen übernachtete ich bei einer Familie, deren zwei Söhne ganz aufgeregt waren: Ich war ihr erster Gast. Der zehnjährige führte mich stolz durchs Haus und erzählte mir alles – vom Baujahr bis zu den Grundstückskosten. Ein aufgeweckter Junge! Am nächsten Morgen besuchte ich den berühmten Schlossgarten von Nordkirchen. Weiter ging es nach Drensteinfurt/Mersch zu einem abgelegenen Bauernhof. Dort stieß ich zu einem Literaturkreis, der gerade stattfand. Es gab köstliches Essen und lebhafte Gespräche, die auch nach dem offiziellen Ende noch lange weitergingen. Am nächsten Vormittag gönnte ich mir ein Eis im „Eishaus“ – unbedingt empfehlenswert, wenn man in Drensteinfurt ist. Die folgende Nacht verbrachte ich in Lingen. Meine Gastgeberin schrieb mir vorab, dass ihr Mann einen runden Geburtstag feiere. Dass es der 90. war, überraschte mich dann doch. Radfahren hält eben jung! In Meppen wurde ich mit heißen Rhythmen empfangen. Obwohl ich in der Nähe geboren wurde, hatte ich den Ort nie als besonders lebendig in Erinnerung. Doch an diesem Tag wurde ich eines Besseren belehrt: Die „Fastlanders“ sorgten für Stimmung – sie sind in der Region offenbar sehr bekannt. Meine letzte Nacht verbrachte ich bei einer Freundin in Bremen, bevor ich mit dem Zug die Heimreise antrat. Wer Land und Leute wirklich kennenlernen möchte, sollte Mitglied im „Dachgeber“ (Infos hier) werden und sich mit den dortigen Adressen auf den Weg machen. Ein herzliches Dankeschön an Wolfgang Reiche, der dieses wunderbare Netzwerk ins Leben gerufen und damit unzählige Begegnungen möglich gemacht hat. |
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