Demonstration für bessere Radverbindungen am Rheinufer
Am 15.11.2025 demonstrierten rund 150 Radfahrende am und im Rheinufertunnel trotz regnerischen Novemberwetters für eine bessere Nord-Süd-Verbindung durch die Kölner Altstadt. Die rheinseitige Tunnelröhre war zeitweise für den motorisierten Verkehr gesperrt.
 
 
Wo liegt das Problem?
Trotz spürbarer Fortschritte beim Ausbau des Radverkehrsnetzes in den vergangenen Jahren besteht für eine Nord-Süd-Verbindung weiterhin eine gravierende Lücke.
Mit dem Rheinufertunnel gibt es zwar seit 1982 eine Straßenverbindung für Autos und Lastwagen unter der danach zum Rheinufer neu geöffneten Altstadt, aber keine konfliktfreie Radverbindung. Aktuell werden Radfahrende durch die Fußgängerzone direkt am Rheinufer geleitet – mit nur erlaubter Schrittgeschwindigkeit. Das verlängert die Fahrzeit erheblich und führt besonders im Sommer oder bei Veranstaltungen zu Engpässen. Auch für die Sicherheit der dort flanierenden Menschen ist dies keine gute Lösung.
Innerhalb der Ringe bleiben sonst nur schmale Ausweichrouten wie Große und Kleine Sandkaul bis zum Roncalliplatz. Die Nord-Süd-Fahrt ist durch den Autoverkehr so stark vereinnahmt, dass gerade für Pendelnde keine Nutzung möglich ist. Auch die Vielzahl der Tunnel stellt hier eine Herausforderung dar.
Seit weit über 25 Jahren wird in Köln über eine attraktive Verbindung diskutiert – ohne greifbare Ergebnisse. Dabei zählt diese Maßnahme zu den „Big Five“ der städtischen Radverkehrsplanung und sollte entsprechend priorisiert werden. Der ADFC Köln fordert seit Langem verträgliche und zukunftsgerechte Lösungen, die nun die Grundlage für die Forderungen der Demonstrierenden darstellten.

Lösung Alternative 1:  Öffnung des Rheinufertunnels
Bei der Kundgebung forderten die Teilnehmenden und der ADFC Köln die Öffnung des Rheinufertunnels für den Radverkehr, entweder komplett in einer Röhre oder am Rand von beiden. Die Stadtverwaltung lehnt bisher eine Planung ab und verweist auf fehlende bauliche Voraussetzungen. Ein Gutachten aus dem Jahr 2021 zeigte jedoch mehrere technisch und rechtlich umsetzbare Varianten. Der Tunnel wäre zwar keine ideale Radroute – Lärm und Abgase sind hoch –, aber eine schnelle und direkte Verbindung für Pendelnde. Nach der Auftaktkundgebung fuhren die Teilnehmenden dann mit einer Vielzahl von Fahrrädern durch den Tunnel und zeigten die Bequemlichkeit und Schnelligkeit dieser Verbindung auf.

Lösung Alternative 2: „Skyride“
Als alternative Lösung wurde die Idee eines „Skyride“ von Reiner Evertz vorgestellt, die bereits in Ausgabe 2/2019 der fahrRAD! erschien und online abrufbar ist. Der Vorschlag sieht einen erhöhten Radweg am linken Rheinufer vor, ähnlich der bekannten „Cycleslangen“ in Kopenhagen.  Der Skyride würde unter der Deutzer und der Hohenzollernbrücke hindurch und dann am Rhein in einigen Metern Höhe entlangführen und auch die Lücke zum Breslauer Platz schließen - ein Projekt mit großem städtebaulichem Potenzial und sicher ein Hingucker für neue Infrastruktur.

Die Demo
Ergänzend baute der Fahrrad-Entscheid Köln (FEK) am Tag der Demonstration einen Pop-up-Radweg entlang der Rheinuferstraße zwischen Maritim Hotel und Malakoffturm beim Schokoladenmuseum. Dort verlief während der Sanierung der Rheinuferpromenade bereits ein geschützter Radweg, der kürzlich aus Kostengründen entfernt wurde. Beide temporäre Lösungen zusammen wurden stark genutzt und zeigten die Notwendigkeit einer dauerhaften Verbindung deutlich. Nach Ende der Aktion zeigte sich das Problem erneut: viele Menschen wichen von der durch den Weihnachtsmarkt überfüllten Promenade auf den Radweg aus, ein sicheres und zügiges Radfahren war kaum noch möglich.
Die gesamte Radverbindung entlang des Rheins in der Altstadt bleibt damit ein ungelöstes Problem. ADFC und FEK haben mit ihren Aktionen zwei neuralgische Punkte aufgezeigt, an denen Lösungen für den Radverkehr dringend geboten sind. Jetzt ist die Politik gefragt und der neue Stadtrat muss schnell seine Handlungsfähigkeit zeigen. Ein weiteres Vierteljahrhundert Diskussionen kann sich Köln nicht leisten.

Jörg Steinhaus
Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club
Kreisverband Köln
Mauritiussteinweg 11
50676 Köln 
 
E-Mail: mail@adfc-koeln.de
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